Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Schatzsuche in den Psalmen?!

 

Dozent

 

Prof. Dr. Dr. Klaus Kürzdörfer

Zeit und Ort

Mo 16.15 – 17.45; Olshausenstr. 75, Gebäude S2, Raum 168

Beginn

03. November 2014

Unterrichtsstunden

24

Teilnehmerzahl max.

30

Veranstaltungsentgelt

35.- EUR

Zusatzentgelt

Für Kopien, Materialien, Medien oder Labornutzung können nach Absprache weitere Kosten entstehen.

 

Inhalt:

Zwischen dem Bekanntheitsgrad des Psalters und seiner kulturellen Wirkungsgeschichte tut sich eine zunehmende Kluft auf. Das Vergessen und Fremdwerden bedeutet keineswegs einen Bedeutungsverlust. Für eine sich säkularisierende Gesellschaft bieten die Psalmen unersetzliche Zugänge zu menschlichen Grundbefindlichkeiten (Klage & Dank etc.) und theologischen Dimensionen (Beten, Protest gegen erfahrene Ungerechtigkeiten und Harren auf göttliche Hilfe).

Dass gregorianische Psalmen Madonna, Lindenberg und andere Popstars vorübergehend aus den Hitlisten der Charts verdrängen konnten, spricht wie die Beliebtheit der Taizé-Gesänge für eine unaus-schöpfliche Aktualität, von dessen interreligiöser und kulturgeschichtlicher Wirkungsgeschichte vom Format eines Weltkulturerbes ganz zu schweigen.

Spitzenleistungen alttestamentlicher Psalmenexegese sind nebenbei kaum auszuloten, was sich nicht nur am Beispiel der Auslegung der Rache- und Fluchpsalmen (E. Zenger) zeigt. Was der jüdische Gelehrte Martin Buber schon vor 100 Jahren wusste, entdecken moderne Forscher ganz neu: Der Psalter mit seinen 150 Psalmen ist vielseitig vernetzt, was die Begriffserklärung zusätzlich zum hebräischen Parallelismus membrorum im Unterschied zum griechischen Insistieren auf exakter Begriffsbestimmung theologisch ungemein bereichert. So bleibt R. M. Rilkes Erfahrung mit den Psalmen aktuell: „Der Psalter ist ein Buch, in dem man sich restlos unterbringt.“

Oder wie Luther schrieb: In den Psalmen wirst du …“ das rechte Gnothi seauton [Selbsterkenntnis] finden. Dazu Gott selbst und alle Kreaturen“. Deshalb war für den Reformator der Psalter „eine kleine Biblia…, darin alles aufs schönste und kürzeste, wie in der ganzen Bibel stehet…zu einem feinen ...Handbuch … bereitet ist: dass mich dünkt, der Heilige Geist habe selbst wollen … eine kurze Bibel…zusammenbringen, auf dass wer die ganze Biblia nicht lesen könnte, hätte hierin doch fast die ganze Summa, verfasset in ein klein Büchlein“.

Vorkenntnisse der TeilnehmerInnen werden nicht vorausgesetzt. Aber eine alte oder neuere Bibel mit Psalter zu besitzen, liegt im eigenen Interesse.