Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Workshop Philosophie: B) Schopenhauer und Nietzsche als Antipoden zu Kant

Dozent Dr. Gottlieb Florschütz
Zeit und Ort Mi 18.00 -19.30; Olshausenstr. 75, Gebäude S1, Raum 413
Beginn 30. Oktober 2013
Unterrichtsstunden 24
Teilnehmerzahl max. 25
Veranstaltungsentgelt 35,- EUR

 

Inhalt:

Während die Philosophen des deutschen Idealismus Kant, Hegel, Fichte und Schelling das Licht der Vernunft propagierten, fokussierten Schopenhauer und Nietzsche am „Fin de siecle“ die dunkle Seite des menschlichen Gemüts. Nach Schopenhauer steht hinter der Erscheinungswelt ein irrationaler, dunkler, blinder Drang, ein metaphysischer Wille, der sich in allen Erscheinungsformen des vitalen Lebens objektiviert. Alles menschliche Streben und Handeln ist durchzogen von Egoismus und Menschenverachtung, die einzige Ausnahme bildet das Mitleid, das jedoch nur wenigen edlen Charakteren vorbehalten ist. Schopenhauers Erlösungslehre ähnelt dem buddhistischen Weg der Verneinung und Aufhebung des Lebenswillens bis zur Askese und totalen Annihilation des Willens. Eine vorübergehende Erlösung erfährt der rastlose Wille in der künstlerischen Kontemplation und im Mitleiden mit der leidenden Kreatur. Die Vernunft ist nur das Vehikel des Willens, das ihm die Wege und Methoden aufzeigt, um seine im Irrationalen verankerten Ziele zu erreichen.

Friedrich Nietzsche ist der Philosoph der Dekadence und des Nihilismus. Alles Streben des Menschen ist getrieben von einem dunklen Willen zur Macht. Dieser nimmt keine Rücksichten auf soziale Belange, sondern setzt sich rücksichtslos – auch gegen die Interessen der Mitmenschen – durch. Von Nietzsches Herrenmenschen-Moral zur arischen Rassenlehre Hitlers lassen sich durchaus gewisse Parallelen ziehen; Nietzsche unterteilt die Menschen in Herrenmenschen und Sklavenmenschen. Während sich die Sklavenmenschen - durch eine heuchlerische Priesterkaste verführt - an die falschen moralischen Werte halten, tragen die Herrenmenschen noch jenen ursprünglichen Raubtier-Instinkt in ihrem Inneren, der von Anfang dem Menschengeschlecht eigen war. Aus dieser edlen Herrenmenschen-Rasse soll nach Nietzsches Vision eines Tages jener geniale Übermensch hervorgehen, den Zarathustra predigt. In seinem Nachlass-Werk „Der Wille zur Macht“ gibt der „Freie Geist“ Friedrich Nietzsche die grundlegenden Ergebnisse seiner Spätphilosophie preis, er sinniert hier über die drohende Heraufkunft des europäischen Nihilismus, die geistige Lage seiner Zeit am „Fin de siecle“, über Moral- und Religionskritik und einen radikalen Entwurf für eine grundlegend neue Wertsetzung. Wir werden uns mit diesen beiden Philosophen des Irrationalen auseinandersetzen, die im konträren Gegensatz zu den Vernunftphilosophen der Aufklärung wie Immanuel Kant stehen. Die Frage, inwiefern dieses Andere der Vernunft unsere gegenwärtige Lebenswirklichkeit auch heute beherrscht, wird uns ebenso beschäftigen wie die Frage nach der Dialektik der Vernunft und ihr Abrutschen ins Irrationale, wie dies gerade wir Deutschen bei Massenbewegungen im Dritten Reich in der jüngsten Vergangenheit hautnah miterlebt haben.

 

Literatur:

- Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Diogenes-Verlag.
- Friedrich Nietzsche: Der Wille zur Macht – Versuch einer Umwertung aller Werte, hrsg. von Elisabeth Förster-Nietzsche, Kröner-Verlag 2009.