Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Workshop Philosophie: A) Existenzphilosophie: Jean Paul Sartre

Dozent Dr. Gottlieb Florschütz
Zeit und Ort Do 18.00 -19.30; Olshausenstr. 75, Gebäude S1, Raum 415
Beginn 31. Oktober 2013
Unterrichtsstunden 24
Teilnehmerzahl max. 30
Veranstaltungsentgelt 35,- EUR

 

Inhalt:

Die Existenzphilosophie Nietzsches, Heideggers, Sartres, Camus’ und Kierkegaards ist d i e Philosophie der Postmoderne, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts begann, das Denken im westlichen Abendland dominierend zu bestimmen. Wenn man sich mit existenzphilosophischen Fragen befassen will, kommt man an Sartres Werk „Das Sein und das Nichts“ nicht vorbei. Wir lesen den Text in einer gekürzten, zusammenfassenden und vereinfachenden Version („Der Existenzialismus ist ein Humanismus“): „Wir sind verdammt zur Freiheit“, ist eine von Sartres existenzphilosophischen Kernthesen. Die Verlassenheit des gottlosen Individuums geht nach Sartre stets einher mit der Angst. Die Angst, existenzielle Verlassenheit und soziale Verantwortung für die eigene, freie Entscheidung gegenüber dem Nichts (nicht gegenüber einem Gott, der unser Leben von Anfang an durchgeplant hätte) sowie die Beziehung zum Anderen sind - kurz zusammengefasst - Sartres Existenzialkategorien, mit denen er unser Leben beschreibt. Uns Menschen als willkürlich ins Dasein Geworfene bleibt letztlich – nach der Abschaffung Gottes - nur der Zwang, uns in Freiheit selbstverantwortlich entwerfen zu müssen, ohne  Gewissheit, ob dieser Entwurf tragfähig oder zum Scheitern verurteilt ist? Wir können uns in Freiheit auf den Anderen, auf ein „Du“ hin entwerfen, aber Vorsicht: „Die Hölle, das sind die anderen“, so warnt Sartre, denn der Andere schränkt meine eigene Freiheit schon durch seine bloße Anwesenheit ein. In seinem pessimistischen Theaterstück „Geschlossene Gesellschaft“ hat er uns seine existenzphilosophischen Erkenntnisse anschaulich vor Augen geführt. Sartre, der sich auch politisch stark für die Linke engeagierte und die RAF in Stammheim besuchte, gehört zu den Denkern des modernen Lebensgefühls, der in den Sechziger und Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts die grundlegenden existenzphilosophischen Kategorien bereitgestellt hat, aus denen sich unser Lebensgefühl bis heute, am Beginn des neuen Zeitalters, immer noch nährt und an denen sich der moderne Individualismus stößt und reibt. Wir wollen Sartres radikalen Freiheitsbegriff herausarbeiten und auf aktuelle Fragen der Gegenwart beziehen, die uns unter den Nägeln brennen.

 

Text:

- Jean-Paul Sartre: Der Existenzialismus ist ein Humanismus, erschienen bei Rowohlts Taschenbuchausgabe 2002
- Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos