Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Geschichte der Armut nach 1500

Dozent Prof. Dr. phil. Thomas Riis
Zeit und Ort Mi 14.15 – 15.45; Leibnizstr. 1, Raum 208 b
Beginn 30. Oktober 2013
Unterrichtsstunden 24
Teilnehmerzahl max. 30
Veranstaltungsentgelt 35.- EUR

 

Inhalt:

Es mag verwundern, dass ein Historiker sich mit diesem Thema beschäftigt; der Grund ist, will man die Armut nachhaltig bekämpfen, muss man die Entwicklungsmöglichkeiten kennen, die langfristig zur Armut führen können. Aus diesem Grund werde ich versuchen, die Geschichte der Armut darzustellen.

Da die üblichen heutigen Definitionen der Armut diese in ihrem vollen Umfang nicht umfassen, werden wir eine neue Definition suchen, die für sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart Gültigkeit hat Die langfristige Entwicklung der Armut wird erörtert, zeitgenössische Untersuchungen in Indien haben gezeigt, dass die Hungersnot die letzte Phase einer längeren ungünstigen Entwicklung bildet, eine Feststellung, die mit zahlreichen Beispielen bestätigt werden kann.

In der Wirtschafts-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte bildet der Schwarze Tod (Mitte des 14. Jahrhunderts) den großen Umbruch. Der Arbeitskraftmangel wegen der Seuche führte in mehreren Ländern zur Einführung einer Arbeitspflicht und zu einer härteren Haltung überhaupt den Armen gegenüber von Seiten der Nicht-Armen. Diese veränderte Einstellung ist keine Folge der Reformation, sondern erscheint schon um 1400 in Norditalien.

Das merkantilistische System sah zu Recht die Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung als Ressourcenverschwendung, die Beschaffung von Arbeit wurde daher Teil der Wirtschaftspolitik, in der Regel aber mit wenig Erfolg. Erst die Aufklärung begann einen erfolgreichen Kampf gegen die Armut, der auch heute als Vorbild vom Interesse wäre.

 

Empfohlene Literatur:

Aspects of Poverty in Early Modern Europe I-III hrsg. Thomas Riis 1981-1990;
Poverty, its Degrees, its Causes and its Relief – a Multidisciplinary Approach to an Urgent Problem hrsg. Thomas Riis & Mareike Hansen, Kiel 2009.