Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Autoimmunkrankheiten

Dozent Prof. Dr. med. Hermann Manzke, Prof. Dr. Dr. Enno Christophers
Zeit und Ort Di 16.15 -17.45; Olshausenstr. 75, Gebäude S2, Raum 24
Beginn 29. Oktober 2013
Unterrichtsstunden 24
Teilnehmerzahl max. 50
Veranstaltungsentgelt 35.- EUR

 

Inhalt:

Nach einer kurzen Einführung in die Aufgaben des Immunsystems beschäftigen wir uns speziell mit den Autoimmunkrankheiten einschließlich der Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Einige von ihnen wurden bereits in den vorangegangenen Vorlesungen unter anderen Gesichtspunkten dargestellt. Neue Aspekte vervollständigen das Bild und betonen den Wert der Frühdiagnose und rechtzeitigen Behandlung.

Autoimmunkrankheiten treten im Laufe des Lebens bei 5 - 6 % aller Menschen auf. Autoantikörper gegen verschiedene Gewebe lassen sich im Blut sogar bei einem noch höheren Prozentsatz aller untersuchten Personen nachweisen. Entscheidend für die Manifestation einer Autoimmunkrankheit sind zusätzliche (z. T. unbekannte) Faktoren wie vorangegangene Infektionen, Stoffwechselstörungen, Medikamenten-Induktionen, physikalische Einflüsse (Kälte, Wärme), Tumorerkrankungen etc.. Humangenetisch sind bestimmte Allele mitentscheidend. Sie gehören zum Histokompatibilitätskomplex = MHC - Complex ( Major Histocompatibility Complex ) und werden dementsprechend als Risiko-Allele bezeichnet. Umgekehrt lassen sich mit dem MHC-Komplex auch protektive Allele assoziieren. Wichtig ist bei allen Immunreaktionen die Unterscheidung zwischen eigenem und fremdem Gewebe.

Überreaktionen oder falsche Reaktionen führen klinisch zu Autoimmunerkrankungen (Autoaggressionskrankheiten), die sich an den verschiedensten Organen abspielen können.

Träger der Immunantwort sind insbesondere die T-Lymphozyten. Sie spielen auch bei der Verträglichkeit der Organtransplantation eine wichtige Rolle. Von ihnen aggressiv beeinflusste Krankheitsbilder werden systematisch abgehandelt.

Im Bereich des Zentralnervensystems sind die häufigsten Autoimmunkrankheiten die Multiple Sklerose, die Myasthenia gravis und das Guillain-Barré-Syndrom, bei den Hauterkrankungen die Psoriasis (Schuppenflechte), die Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) und die Sklerodermie in ihren verschiedenen Ausdrucksformen, bei den entzündlichen Darmerkrankungen der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa, im Bereich der Leber die Autoimmunhepatitis und die Cholangitis, bei den hämatologischen Autoimmunreaktionen die Autoimmunhämolytische Anämie sowie verschiedene Formen der Thrombozytopenie (Blutplättchenmangel) und Neutropenie (Verminderung der neutrophilen  Granulozyten), im Bereich der Nieren Autoimmunreaktionen, welche sich je nach Proteinurie (Eiweißausscheidung) und Urinsediment als rasch verlaufende nephritische (wenig Eiweiß, reichlich Erythrozyten) und langsam verlaufende nephrotische (massive Proteinurie) Syndrome präsentieren.

Von der Pathologie her unterscheidet man glomeruläre und tubuläre Schäden

sowie Mischformen. Als häufigste Autoimmunerkrankungen der endokrinen Drüsen sind der Morbus Addison (Nebennierenrinden-Insuffizienz), die Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis) und der Diabetes mellitus Typ 1 zu nennen.

Den zahlenmäßig größten Umfang nehmen die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises ein, von denen hier nur stellvertretend die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) und die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) genannt seien.