Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Workshop Philosophie – Welt ohne Utopie?

Dozentin Dr. Gottlieb Florschütz
Zeit und Ort Mi 18.00 - 19.30 Uhr,
Leibnizstr. 1, Raum 204
Beginn 24. Oktober 2018
Unterrichtstunden: 24/td>
Teilnehmerzahl max. 30
Veranstaltungsentgelt 40,- EUR

Inhalt:
Seitdem die politischen Systeme im Osten im Herbst 1989 zerbrachen, sind auch die am Sozialismus orientierten säkularen, utopischen Verheißungen des Glücks endgültig passé. Unsere globalisierte Welt scheint zudem in den ersten zwei Dezennien des Einundzwanzigsten Jahrhunderts völlig aus den Fugen geraten zu sein. C. S. Lewis prophezeite in seinem erschreckenden Buch „Die Abschaffung des Menschen“ (1943) einen apokalyptischen Augenblick der Menschheitsgeschichte, da der Mensch nun auch seine eigene Natur zum bloßen Material seiner Manipulation degradiert und damit notwendig von der Humanität in die Bestialität absinken wird. Oder steht die Menschheit vor einer historischen Weggabelung, wie Richard David Precht in seinem neuen Bestseller „Jäger, Hirten, Kritiker – Utopien für eine digitale  Gesellschaft (2018)“ prophezeit; der eine Weg führt ins Glück (Eutopie), der andere in eine entmenschlichte digitale Zukunft, in der wir von Robotern und der  berlegenen künstlichen Intelligenz von Computern beherrscht und von Androiden ersetzt werden?
Gibt es möglicherweise noch einen Mittelweg zwischen Prechts Eutopie und seiner düsteren Dystopie? Wenn die Menschheit die Pfeiler ihrer eigenen Werte-Ordnung und damit letztlich auch sich selbst nicht völlig abschaffen will (wie Precht, Welzer und Lesch befürchten), braucht es tragfähige, nachhaltige Visionen für eine zukünftige Welt-Gesellschaft (Kosmopolitismus), in der die Würde des einzelnen Individuums ebenso seinen Platz haben wird wie der Gruppen-Egoismus der herrschenden Lobbies. Dem postmodernen „Principium individuationis“ müsste ein „Principium societationis“ entgegengesetzt werden. Mit dem renommierten Historiker Joachim Fest, dessen Buch „Der zerstörte Traum – Vom Ende des utopischen Zeitalters“ (1991) wir als Leitfaden nutzen können, werden wir den utopischen Hoffnungen der letzten einhundert Jahre gründlich nachspüren, vom Marxschen irdischen Paradies bis zum Blochschen „Prinzip Hoffnung“, wobei auch andere, weniger bekannte Quellen herangezogen werden, unter anderem folgende Seminartexte (die Texte werden in Kopie den Teilnehmern des Workshops zur Verfügung gestellt):

Joachim Fest: Der zerstörte Traum – Vom Ende des utopischen Zeitalters (1991);
Wilhelm Quenzer: Welt ohne Utopie – Aspekte des Säkularismus (1966);
C. S. Lewis: Die Abschaffung des Menschen (zuerst 1943, dann 1978, zuletzt 2007);
Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung; Bertrand Russel: Eroberung des Glücks (1930);
G.W.F. Schelling: Über das Wesen der menschlichen Freiheit (1801);
Voltaire: Candide oder Der Optimismus [Untertitel: Wenn dies die beste aller möglichen Welten ist, wie sind dann bloß die anderen? (1759)];
H.G. Wells: Die Insel des Dr. Moreau (1940);
Aldous Huxley: Brave new world (Schöne neue Welt, 1952);
George Orwell: 1984 (1946);
Harald Welzer: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten (2015);
Harald Lesch: Die Menschheit schafft sich ab. (2017);
Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker: Utopien für eine digitale Gesellschaft (2018)
Michel Huellebecq: In Schopenhauers Gegenwart (2017);
Joachim Gauck: Freiheit. Ein Plädoyer (2012);
Thea Dorn: Deutsch, nicht dumpf! (2018)

Dieser Philosophie-Workshop versteht sich zugleich als ergebnisoffene, kreative Denk-Werkstatt für alle, die Lust an kreativen Gedanken haben und die Verpflichtung verantwortungsvollen Denkens in sich spüren!