Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Workshop Philosophie – Der antiquierte Mensch

Dozent Dr. Gottlieb Florschütz
Zeit und Ort Mi 18.00 – 19.30 Uhr; Olshausenstr. 75, S3, Raum 177
Beginn 25. Oktober 2017
Unterrichtsstunden 24
Teilnehmerzahl min. 12; max. 30
Veranstaltungsentgelt 40,- EUR

Inhalt:
Nach beinahe einem Vierteljahrhundert, in dem sich Günther Anders praktisch und publizistisch gegen die aktuellen Bedrohungen des Humanen engagierte, hat er den Weg in die Technokratie vorweggenommen, auf dem wir uns heute befinden.
Hauptthema von Anders Gegenwartsanalysen ist die Zerstörung der Humanität und die mögliche physische Selbstauslöschung der Menschheit. Die „Endzeit“, das Zeitalter der „Technokratie“ ist unwiderruflich angebrochen. Die Technik ist zum Subjekt der Geschichte geworden, der Mensch ist nur noch „mitgeschichtlich“. Der bisherige Mensch ist überholt, so Anders ‚ Kernthese, „antiquiert“; der gegenwärtige und auch der zukünftige Mensch sind gekennzeichnet durch die Diskrepanz zwischen der noch immer wachsenden Kapazität der Technik und dem Unvermögen der Phantasie, sich die katastrophalen Folgen der Technik (Stichwort „Technikfolgeabschätzung“) vorzustellen. Anders’ drei Hauptthesen: Dass wir der Perfektion unserer Produkte nicht gewachsen sind; dass wir mehr herstellen, als wir uns vorstellen und verantworten können; und dass wir glauben, das, was wir können, auch zu dürfen – diese drei Grundthesen werden die groben Leitlinien für unsere Seminardiskussion vorgeben.
Stichworte: Digitalisierung, Cyberwar, Nuklearkrieg, Transhumanismus, Entfremdung durch Technologischen Fortschritt.
Es genügt nach Anders eben n i c h t , die Welt nur politisch zu verändern, wie dies von politischen Aktivisten – auch während des G-20-Gipfels in Hamburg – lautstark gefordert wurde: „Das tun wir ohnehin. Und weitgehend geschieht das sogar ohne unser Zutun. Wir haben diese Veränderung (als Philosophen) auch zu interpretieren! Und zwar, um diese zu verändern! Damit sich die Welt nicht weiter ohne uns verändere. Und nicht schließlich in eine Welt ohne uns!“ (Anders: Vorwort zu Bd. II). Ist das Humanum angesichts solcher transhumaner Utopien, wie sie derzeit in Silikon-Valley entwickelt werden, eigentlich noch zu retten? Ist ein Leben im Einklang mit der Natur nach dem Vorbild von Thoreau und im inneren Frieden mit uns selbst noch möglich? Die Anschaffung des vorgegebenen Seminartextes ist für die regelmäßige Teilnahme unverzichtbar!

Literatur:
Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen, Bd.1 und 2, Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution, Beck‘sche Reihe, 2. Auflage 2002.