Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Workshop Philosophie: "Die Hölle - das sind die anderen!"- Existenzphilosophie: Sartre und Camus

Dozent Dr. Gottlieb Florschütz
Zeit und Ort Mi 18.15 – 19.45 Uhr; Leibnizstr. 1, Raum 208a
Beginn 26. Oktober 2016
Unterrichtsstunden 24
Teilnehmerzahl min. 12; max. 30
Veranstaltungsentgelt 40,- EUR

Inhalt:

Der heutige Mensch ist vor allem in existenziellen Belangen desorientiert: bezüglich des richtigen Tuns und Findens von Lebenssinn. Wenn heute schon von einer Krise der Demokratie geklagt wird, Wissenschaft, Technik und Wirtschaft seien aus dem Ruder gelaufen, wenn immer mehr Menschen unter Desorientiertheit in Bezug auf das Sein und Sollen leiden, kann dies eigentlich nur existenzphilosophisch beantwortet werden. Die Existenzphilosophen Carl Jaspers ("Die geistige Situation der Zeit"), Martin Heidegger ("Sein und Zeit"), Sören Kierkegaard ("Die Krankheit zum Tode"), Jean-Paul Sartre ("Das Sein und das Nichts"), Albert Camus ("Der Mythos von Sisyphos"), Gabriel Marcel und Martin Buber ("Das dialogische Prinzip") haben sich darum bemüht, die existenziellen Grundlagen menschlicher Existenz - die sog. Conditio humana - philosophisch freizulegen und begrifflich präzise zu artikulieren. Während die deutschen Existenzphilosophen Jaspers und Heidegger die Existenzial-Kategorien (die "Man-Existenz" im Gegensatz zur eigentlichen Existenz, die existenzielle Einsamkeit versus das "Mitsein mit anderen", die Todesangst usw.) begrifflich präzise analysierten, fokussiert der französische Existenzphilosoph Jean-Paul Sartre die Idee der absoluten Freiheit ("Wir sind verdammt zur Freiheit") in den Mittelpunkt seiner existenzphilosophischen Analysen. Die Existenzphilosophie legt den Kern der Conditio humana frei und bemüht sich darum, vom einzelnen Individuum ausgehend eine soziale Vernetzung, eine Brücke zum Mitmenschen hin zu bauen, wenngleich dieser Versuch zu kommunizieren stets von der Gefahr des Scheiterns begleitet und bedroht ist, wie Sartre in seinem Satz: "Die Hölle, das sind die anderen!" so treffend ausdrückt. Auch in seinem pessimistischen Theaterstück "Geschlossene Gesellschaft" (inzwischen auch verfilmt) wird das totale Scheitern zwischenmenschlicher Kommunikation anschaulich vor Augen geführt. Während Sartre und Camus den modernen Menschen auf sich allein gestellt mit dem Rücken zum "Nichts" („Das Sein und das Nichts") sehen, stellen die christlich orientierten Existenzphilosophen Sören Kierkegaard ("Die Krankheit zum Tode") und Gabriel Marcel den Menschen in seiner Nacktheit einem liebenden Gott gegenüber, der uns in unserer existenziellen Verlorenheit liebend auffängt. Der jüdisch-christliche orientierte Existenzphilosoph Martin Buber stellt den Menschen in seinem "dialogischen Prinzip" in die unmittelbare Zwiesprache mit Gott - er interpretiert jede gelungene zwischenmenschliche Kommunikation als eine dialogische Begegnung mit Gott.
Die Existenzphilosophie nimmt den Menschen in seiner Geworfenheit und strukturellen Einsamkeit ernst, aber kann sie uns modernen Menschen auch psychologischen Halt und philosophische Orientierung bieten? Kann sie uns modernen Menschen heute helfen, ein sinnerfülltes Leben in freier Selbstbestimmung zu gestalten? Wir werden anhand konkreter Texte das philosophische und psychologische Potenzial der wichtigsten deutschen und französischen Existenzphilosophen ausloten. Der konkrete Seminartext wird in der ersten Sitzung des Philosophie-Workshops bekannt gegeben.