Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Europäische Medizin im 18. Jahrhundert

Dozent Prof. Dr. Jörn Henning Wolf
Zeit und Ort Mo 14.30 – 16.00 Uhr;
Pharmakologisches Institut - Bibliothek, Hospitalstr.4
Beginn 24. Oktober 2016
Unterrichtsstunden 24
Teilnehmerzahl min. 12; max. 25
Veranstaltungsentgelt 40,- EUR

 

Inhalt:

Die Periode des 18. Jahrhunderts ist in ihren Anfängen hauptsächlich durch die bestimmende Wirkung der Philosophie auf die Naturwissenschaften und die Theoriebildung innerhalb der Medizin charakterisiert, dies besonders in den Bereichen der Physiologie und der allgemeinen Pathologie. Unter diesem Einfluss ist ein Grundmerkmal der Medizin des Zeitalters die Entwicklung dynamistischer Konzepte sowohl in der Deutung der Lebensvorgänge als auch der Krankheitsprozesse, die zur Formulierung verschiedenartiger Systeme führten. Diese Vorgänge gingen mit Erkenntnisfortschritten auf den Gebieten der Physik und der Chemie einher, die zur Erklärung körperlicher Phänomene beitrugen und nicht nur den Angelpunkt für die Ausgestaltung der medizinischen Experimentalforschung bildeten, sondern auch praktische Errungenschaften wie z. B. die Temperaturmessung hervorbrachten. Von überragender Bedeutung waren u. a. die Einsichten, dass bestimmte chemische Prozesse sich sowohl im Lebendigen als auch in der unbelebten Natur abspielen oder dass es sich bei der Verbrennung und der Atmung um gleichartige Vorgänge handelt. Aufschlussreich für die Denkart des Zeitalters sind z. B. die Erklärungen der Hirnfunktion, der rhythmischen Herztätigkeit und der Sinneswahrnehmungen eines Hermann Boerhaave, die Konzeption der Pockenimpfung, die Einführung der Digitalis in die Pharmakotherapie oder die Entfaltung zahlreicher operativer Verfahren in der Chirurgie. Herausragende Persönlichkeiten wie Giovanni Battista Morgagni auf dem Gebiet der pathologischen Anatomie, Albrecht von Haller als Schrittmacher der funktionellen und experimentellen Physiologie oder Giovanni Maria Lancisi als Erforscher des plötzlichen Herztodes werden neben zahlreichen anderen Repräsentanten medizinischer Grundlagenfächer und klinischer Disziplinen angemessen gewürdigt.