Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Medien-Workshop: Die smarte Diktatur

Dozent Dr. Gottlieb Florschütz
Zeit und Ort MO 18.00 – 19.30 Uhr;
Leibnizstraße 1, Raum 207a
Beginn 24. Oktober 2016
Unterrichtsstunden 24
Teilnehmerzahl min. 12; max. 24
Veranstaltungsentgelt 40,- EUR

Inhalt:
Begonnen hat alles mit Gutenbergs Buchdruck um 1450 in Mainz - heute leben wir alle in einer zunehmend digitalisierten, simulierten Spektakel- und Erlebnisgesellschaft und amüsieren uns beinahe zu Tode (Neil Postman); wir simsen und twittern im Internet, legen uns hunderte von Avatar-Identitäten in den Tausenden von Chatrooms zu und gewinnen täglich neue virtuelle Freunde im Facebook. Das Briefe-Schreiben und Verschicken per Post ist längst durch Email und SMS abgelöst worden. In unserer Freizeit bieten uns hundert Fernseh- und Rundfunk-Kanäle spektakuläre Unterhaltungsprogramme an.
Hat uns die "smarte Diktatur" der Medien eingelullt und unser kritisches Denken längst übernommen, wie der Soziologe Harald Welzer behauptet? Diese smarte Diktatur besteht in einer teuflischen Dialektik: Einerseits geben wir unsere persönlichen Daten freiwillig preis und beklagen uns anschließend über zu viel Überwachung und staatliche Kontrolle?
Inzwischen ist schon von Internet-Sucht und der Super-Droge 3D-Fernsehen die Rede, die perfekte virtuelle Illusion, die uns ein Second-Life ermöglicht, ohne uns aus dem Fernsehsessel erheben zu müssen. Die neuen Medien werden von Millionen Zeitgenossen weltweit begrüßt und täglich genutzt; Computer, Laptops und Handys haben unsere soziale Kommunikation gravierend verändert und sind aus unserem Arbeits-Alltag gar nicht mehr wegzudenken; andererseits macht sich aber auch Gegenwehr gegen den übermächtigen Einfluss der Massenmedien bemerkbar: Fernsehverweigerer, die ihr Leben nicht mehr im Second-Life-Modus leben wollen; manche Zeitgenossen bezeichnen die Presse gar pauschal als "Lügenpresse", von der sie sich in ihrem Denken und Urteilen manipuliert fühlen. Andererseits ist das Internet das einzige Medium, in dem (noch) keine staatliche Zensur ausgeübt wird und es könnte auf diese Weise zu einer offeneren Gesellschaft beitragen, sie ermöglichen uns mehr demokratische Teilhabe und Mitbestimmung; auch Wahlen könnte man künftig per Mausklick abhalten, vorausgesetzt allerdings, dass jeder Bürger Zugang zum World Wide Web bekommt. Die Medien sind die Verlängerung unseres Nervensystems, wie Marshal McLuhan treffend beschreibt. Wir werden uns im Medien-Workshop mit maßgeblichen Theorien (anhand kurzer Essays zur Medientheorie, die zur Verfügung gestellt werden) über die modernen Massenmedien befassen (siehe Auflistung unten), aber auch zugleich praktischen und kritischen Umgang mit den Massenmedien Rundfunk, Fernsehen, Internet und Cyberspace anhand von praktischen Übungen (mit Hilfe des universitären Lernsystems OLAT) erlernen, die von einzelnen Teilnehmern mit vorbereitet werden sollen. Dieser Workshop versteht sich als experimenteller Baukasten, an dem sich die Teilnehmer aktiv und kreativ beteiligen können. Der Workshop setzt den Medienworkshop vom vorletzten Wintersemester fort, wo wir uns schwerpunktmäßig mit Zeitungsanalysen befasst haben, ist aber grundsätzlich offen für neue Teilnehmer, die ihr Medienwissen aktualisieren und vertiefen wollen. Der Workshop ist auf zwei Semester hin angelegt Wer einen Laptop oder Notebook besitzt, kann diesen gern ins Seminar mitbringen.

Texte:

1.) Harald Welzer: Die smarte Diktatur; Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit
2.)Texte zur Medientheorie, hg. von G. Helmes und W. Köster, Reclam Stuttgart 2002; darin sind die folgende kürzere (2-3 Seiten) Aufsätze und Essays enthalten, die zur Verfügung gestellt werden.