Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Europäische Medizin der Frühen Neuzeit

Dozent

Prof. Dr. Jörn Henning Wolf

Zeit und Ort

Mo 14.30 – 16.00 Uhr;
Pharmakologisches Institut - Bibliothek, Hospitalstr.4

Beginn

11. April 2016

Unterrichtsstunden

24

Teilnehmerzahl

min. 12; max. 25

Veranstaltungsentgelt

40,- EUR

Inhalt:

Nach dem in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sich allmählich vollziehenden Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, charakterisiert durch Gestalten wie unter anderen Arnald von Villanova, Fracastoro, Paracelsus, Paré oder Vesal, sollen bahnbrechende experimentelle Forschungsergebnisse dargestellt werden, die sowohl die theoretische als auch die praktische Medizin im 17. Jahrhundert grundlegend verändert haben. Herausragendes Paradigma ist die Widerlegung der 1500 Jahre geltenden Annahme der vom Herzen zur Körperperipherie in einer Richtung strömenden Blutbewegung und – statt dieser Hypothese – die Entdeckung des Blutkreislaufs. Sie eröffnete der praktischen Medizin zum Beispiel die Möglichkeit der noch heute aktuellen intravenösen Injektion und der Bluttransfusion. Den Schlussstein zur Blutzirkulationslehre von Harvey fügte – das Mikroskop als erster in der medizinischen Forschung einsetzend – Malpighi mit seiner Beschreibung des Kapillarsystems hinzu. Ebenfalls auf dem Gebiet der Gefäßanatomie wurden in dieser Zeit die Chylus- und die Lymphgefäße im Körper aufgefunden.
Die wenigen Beispiele zeigen, dass wir es in der Frühen Neuzeit mit einer Periode zu tun haben, die nicht nur zahlreiche Entdeckungen sowie die Erfindung und Einführung neuartiger Verfahren in der Grundlagenforschung auf den Gebieten der Anatomie, Physiologie und chemischen Stoffwechsellehre hervorgebracht, sondern ebenfalls in der Speziellen Pathologie und klinischen Medizin wichtige handlungswissenschaftliche Methodenkonzepte zur Symptomatologie, Differentialdiagnostik, medikamentösen oder chirurgischen Therapie sowie Erfahrungen in der Verlaufstypologie der Krankheiten entwickelt hat.