Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Film-Workshop: Woody-Allen-Werkschau, Der Stadtneurotiker und andere Missgeschicke

Dozent

Dr. Gottlieb Florschütz

Zeit und Ort

Fr 14.00 – 17.00;
Olshausenstr. 75, Gebäude S2, Raum 26

Beginn

17. April 2015

Unterrichtsstunden

24

Teilnehmerzahl

min. 12: max. 24

Veranstaltungsentgelt

40,- EUR

 

Inhalt:

Woody Allen gehört zu den wenigen noch lebenden Independent-Autorenfilmern Hollywoods. Er gilt zu Recht als der Pionier des modernen Therapiefilms, denn der "Stadtneurotiker" (1972) ist ohne seinen Therapeuten gar nicht mehr lebensfähig. Allens reiches Oeuvre umfasst jedoch weit mehr als dies: In "Purple Rose of Kairo" thematisiert Allen die parasozialen Beziehungen der Zuschauer zu ihren bewunderten Filmstars: Mitten im Film wird eine Szene im Kino gezeigt, wo ein angehimmelter Filmstar plötzlich aus der Leinwand heraus mitten ins Publikum hineinspringt; hier wird der Übergang von der virtuellen Kinowelt in die Alltagsrealität gleitend überschritten.

Warum sollten wir also nicht Selbstgespräche mit unseren virtuellen Stars führen, die uns auch im Alltag begleiten wie parasoziale Lebensbegleiter?

In seinem letzten Film "Magic is the Moonlight" (2015) thematisiert Allen die Grundfragen menschlicher Existenz nach Gott und Sinn und Leben nach dem Tod. Gibt es einen tieferen Sinn im Leben, der möglicherweise sogar noch über das Ende unseres physischen Lebens hinausreicht - oder ist unser ganzes Leben am Ende ebenso absurd wie Allens sinnfreie Slapstick-Tragikomödien?

"Als Nadelmann mit meiner Tochter und mir einmal in der Mailänder Oper war, beugte er sich aus seiner Loge und fiel in den Orchestergraben. Zu stolz zuzugeben, dass das ein dummes Missgeschick war, besuchte er die Oper nun einen Monat lang jeden Abend und wiederholte jedes Mal diesen Sturz. Bald zog er sich eine leichte Gehirnerschütterung dabei zu. Ich machte ihm klar, dass er damit aufhören könne, da er seinen Zweck erreicht habe. Er sagte: 'Nein. Noch ein paarmal. Es ist wirklich nicht so übel...'" (Woody Allen: Nebenwirkungen)

Wir werden uns die unterhaltsamsten Filme von Woody Allen anschauen und in anschließenden Filmgesprächen seine spezifische Allen-Semiotik und  ‑Semantik zu entschlüsseln versuchen.

Eingeladen sind alle Cineasten, die hintergründigen Humor und spaßigen Slapstick im Film zu schätzen wissen und am Freitagnachmittag nichts Besseres vorhaben, als Filme zu gucken.

 

Filmauswahl (vorläufig, unvollständig):

-         Der Stadtneurotiker (Annie Hall)

-         Purple Rose of Kairo

-         Die letzte Nacht des Boris Gruschenko

-         Bananas

-         Mighty Aphrodite

-         Magic is the Moonlight

u. a.