Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Workshop Philosophie A: Workshop Seneca : Von der Gelassenheit

Dozent

Dr. Gottlieb Florschütz

Zeit und Ort

Mi 18.15 – 19.45; Leibnizstr. 1, Raum 208a

Termine

23.04., 30.04., 07.05., 14.05., 21.05., 28.05., 04.06., 11.06., 18.06., 25.06., 02.07., 09.07. 2014

Unterrichtsstunden

24

Teilnehmerzahl max.

30

Veranstaltungsentgelt

35,- EUR

Zusatzentgelt

Für Kopien, Materialien, Medien oder Labornutzung können nach Absprache weitere Kosten entstehen.

 

Inhalt:

„Nichts ist so bitter, dass ein gefasstes Herz keinen Trost fände“, so schreibt der römische Tragödiendichter Seneca. Geboren um 4 v.Chr., gestorben um 65 n.Chr., gilt bis heute als der stoische Philosoph schlechthin, der Gelassenheit bis hin zum Selbstmord predigte. Auf Befehl des römischen Herrschers Nero, in dessen Ungnade er gefallen war, sah Seneca sich gezwungen, sich letztlich selbst das Leben zu nehmen – und er soll gelassen in den Freitod gegangen sein. Wenngleich in unseren Tagen und in diesen glücklichen Regionen der Welt nur noch vergleichsweise selten Tyrannen derartige Ansinnen an uns richten, sehen wir uns gleichwohl nicht selten mit ähnlich verzweifelten existenziellen Situationen konfrontiert, in denen wir uns durchaus eine größere Seelenruhe wünschen. Die Wirksamkeit der stoischen Lebenshilfe kann jedoch nur in der Praxis erprobt werden – am ehesten dann, wenn der Philosoph selbst in eine existenzielle Lage gerät, in der er den Nutzen der von ihm vertretenen Philosophie an seiner eigenen Person, in seinem eigenen Leben vorführen muss.

Mit seinem Freitod im Jahre 65 n. Chr. zeigte Seneca der Welt, dass die von ihm vertretene Philosophie ihre Nagelprobe in der Realität bestanden hat. Seneca zeigte, dass er von all den Äußerlichkeiten dieser Welt ohne Schmerz und Groll lassen konnte, sei es sein unermesslicher Reichtum, seien es Freunde und Familie oder andere irdische Güter, an die wir unser Herz gern hängen.

Seneca hat – ganz seiner stoischen Lehre entsprechend – ein gutes Leben gehabt, da er gelassen sterben konnte. Gut leben heißt für Seneca nämlich letztlich nichts anderes als gut sterben zu können. Die Richtigkeit dieses Kernsatzes der stoischen Philosophie besiegelte er mit seinem Freitod. Diese stoische Haltung, die auch den eigenen Tod mit einschließt, macht die Lektüre des Büchleins aus der Feder des Stoikers Seneca zu einer existenziellen Herausforderung und zur konkreten philosophischen Lebenshilfe in unserem Alltag. Seneca kann uns auch heute – gerade in unserer hektischen Zeit voller Entfremdungen, Stress und Zwänge – eine wertvoller Lebenshilfe zu mehr Gelassenheit sein: „Das gewährt die Philosophie angesichts des Todes heiter und, in welcher körperlichen Verfassung man auch ist, tapfer und fröhlich zu sein und nicht aufzugeben, mag man auch am Ende sein.“ (Seneca, Brief 30, 3)

 

Seminarlektüre:

Seneca: Von der Gelassenheit,  C.H. Beck-Verlag.