Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Workshop Film: Film-Perlen - Rainer Werner Fassbinder und Ingmar Bergmann

Dozent

Dr. Gottlieb Florschütz

Zeit und Ort

Fr 14.00 – 16.00 Uhr;
Olshausenstr. 75, Gebäude S2, Raum 26

Beginn

30. Oktober 2015

Unterrichtsstunden

24

Teilnehmerzahl

min. 12; max. 24

Veranstaltungsentgelt

40,- EUR

Inhalt:
Dieser Filmworkshop ist den großen Autorenfilmern Fassbinder und Bergmann gewidmet.
R. W. Fassbinder ist der bedeutendste Autorenfilmer des sog. "Neuen deutschen Films". Mit eindringlichen Filmen wie "Angst essen Seele auf" und "Die Ehe der Maria Braun", "Martha" und "Katzelmacher" entwarf Fassbinder wirkmächtige Zeitbilder einer deutschen Nachkriegsgesellschaft, die - noch tief von Faschismus und Diktatur gezeichnet - einen unbelasteten Neuanfang riskieren wollte, aber oftmals im Chauvinismus und der Borniertheit des vorhergehenden Nazi-Faschismus hängengeblieben ist. Mit seinem futuristischen Film "Welt am Draht" zeichnete er eine Zukunft im Sinne von George Orwells totalitärem Überwachungsstaat, in der das Bewusstsein des einzelnen in einer kollektiven Matrix gefangen ist, ein beinah prophetisches Bild einer totalitären, technokratischen Mediengesellschaft von heute, in der wir uns alle als Medienkonsumenten wiederspiegeln! In "Effie Briest" bewies Fassbinder seine Sensibilität für anspruchsvolle Literaturverfilmungen.
Fassbinders Filme sind puristisch an Bertold Brechts Anti-Theater orientiert und daher stilistisch manchmal etwas sperrig, jedoch inhaltlich immer noch aktuell und eröffnen spannende, kontroverse Diskurse über eine Gesellschaft, die im Ringen um ihre Offenheit und Toleranz am Ende sich selbst verzehrt.
Ingmar Bergmann gilt als Begründer der schwedischen "Nouvelle Vague" - seine Filme ("Das Schweigen", "Persona", "Wilde Erdbeeren", „Szenen einer Ehe", "Fanny und Alexander" u. a.) gelten bis heute als filmische Meisterwerke der schwedischen "Nouvelle vague": Eindringliche Gesellschaftsporträts von scheiternden Existenzen in einer modernen schwedischen Gesellschaft, aufgeklärte selbstbestimmte Menschen, die jedoch nicht zu ihren Gefühlen stehen und nicht miteinander kommunizieren können - worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen...(Ludwig Wittgenstein).
Dieser Filmworkshop ist diesen beiden bis heute bedeutendsten europäischen Autorenfilmern der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts und ihren wichtigsten Filmen gewidmet, die immer noch sehens- und diskurswürdig sind!
In anschließenden Filmgesprächen werden wir gemeinsam versuchen, diese künstlerisch hoch anspruchsvollen, oft sehr verschlüsselten und verwirrenden Filme uns zu erschließen und auf unsere eigene Alltagsexistenz hin zu interpretieren. Eingeladen ist jeder, der sich für anspruchsvolle, niveauvolle Filme interessiert, die man kaum noch im Kino zu sehen bekommt!