Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Rudolf Virchow – Leben und Werk

Dozent

Prof. Dr. phil. et med. habil. Christian Andree

Zeit und Ort

Di 10.30 – 12.45 Uhr;
Pharmakologisches Institut - Bibliothek, Hospitalstr.4

Beginn

27. Oktober 2015  

Unterrichtsstunden

36

Teilnehmerzahl

min. 12; max. 24

Veranstaltungsentgelt

60.- EUR

Inhalt:

Einer der bedeutendsten Wissenschaftler, Mediziner und Politiker der Neuzeit, Rudolf Virchow (1821–1902), stammte aus kleinen Verhältnissen. Die Vorlesung mit Diskussion zeigt zunächst seinen Lebensweg aus diesen Verhältnissen Hinterpommerns, wo sein Vater als Stadtschreiber eines winzigen ostdeutschen Städtchens und nebenberuflicher Landwirt die Familie ernährte. Der kleine Virchow erlebte eine problematische Elternehe, aber fürsorgliche Förderung seiner geistigen Anlagen. Virchows Ausbildungs- und Berufslaufbahn führte ihn an die Spitze der deutschen und schließlich der Weltmedizin, die er mit seinen bahnbrechenden Erkenntnissen geradezu revolutionierte. Unsere medizinische Fachsprache verdanken wir ihm ebenso wie zahlreiche Entdeckungen auf den Gebieten der Krebsentstehung und -behandlung und der heute auch in Kiel so forcierten Entzündungsforschung.
In Kiel entsteht derzeit die erste Gesamtausgabe der Werke und Briefe Virchows. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erhalten einen Einblick in die Werkstatt dieser Ausgabe. Dabei wird deutlich, dass Virchow gleichsam mit allen berühmten Forschern seines Zeitalters von Darwin bis Pasteur in Verbindung und geistigem Austausch stand.
Virchow hat mehrere neue Wissenschaften begründet, deren Entstehungsgeschichte und Weiterentwicklung in der Vorlesung ebenfalls behandelt werden: etwa die Ur- und Frühgeschichte, die Ethnologie (einschließlich deutscher Volkskunde) und die Anthropologie.
Virchows Biografie ist spannend. Wir betrachten in der Vorlesung nicht nur die wissenschaftlichen, sondern auch die politischen und menschlichen Aspekte. Als geistiger und politischer Konkurrent Bismarcks, der ihn mehrfach zum Duell zwingen wollte, wurde er eine der maßgebenden Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie solche Duellprobleme im 19. und im frühen 20. Jahrhundert gelöst wurden, wird anschaulich behandelt werden (etwa am Beispiel von Fontanes Effi Briest). Auch das Ende des Duellwesens werden wir untersuchen.