Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Workshop Medien: Das Medium ist die Botschaft – Wer frisst wen in der digitalen Gesellschaft?

Dozent

Dr. Gottlieb Florschütz

Zeit und Ort

Mo 18.00 – 19.45 Uhr;
Leibnizstr. 1, Raum 104b

Beginn

26. Oktober 2015

Unterrichtsstunden

24

Teilnehmerzahl

min. 12: max. 30

Veranstaltungsentgelt

40,- EUR

Inhalt:
Das Medium ist die Botschaft, so Marshall McLuhan - beherrschen wir die Medien - oder werden wir von den Medien beherrscht?
Massenmedien bestimmten jedenfalls unseren Alltag, sie lenken öffentliche Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen und geben "politisch korrekte" Standpunkte vor, wobei vieles Wichtige oft ungesagt bleibt oder gar völlig ignoriert wird.
Bewegt sich unsere von Massenmedien bestimmte Massengesellschaft auf einen technokratischen Totalitarismus zu?
Cyberattacken auf Computersysteme des deutschen Bundestags und von Landesregierungen machen täglich Schlagzeilen, Cyber-Mobbing und Cyber-War sind die Schlagwörter unserer von Massenmedien beherrschten Zeit. Nach neuesten Studien verbringen Heranwachsende durchschnittlich 4-6 Stunden täglich im World Wide Web bzw. vor dem Fernseher! Nach Frank Schirrmacher werden wir nicht nur manipuliert und uns "politisch korrekte" Meinungen suggeriert, sondern unser Verhalten wird sogar weitgehend vorhersagbar. Machen die neuen Medien uns eigentlich freier - oder nehmen sie unsere Aufmerksamkeit so sehr gefangen, dass wir keine Aufmerksamkeit für die "wirkliche" Realität mehr haben? Sind wir am Ende nur noch Fliegen im Fliegenglas, das wir uns selbst gebaut haben? Werden wir durch ständiges "Multitasking" zu Identitäts-Hoppern ohne innere personale Substanz?
Auch die Organisation von Wissen und Bildung verändert sich durch Google grundlegend: Wir lassen uns in Sekundenschnelle über Suchmaschinen im Internet informieren, anstatt in irgendwelchen unhandlichen Lexika oder Büchern nachschlagen zu müssen - aber erhalten wir wirklich zusammenhängendes Wissen aus dem Internet, oder ist es nur Häppchen von Wissensbruchstücken, zu denen uns der Kontext oft fehlt? Das sog. "Scanning", das schnelle Absuchen von Texten nach Schlag- und Stichwörtern, tritt bei den Internet-Usern immer mehr an die Stelle des Lesens usw. "Multitasking" ist echte Körperverletzung. Konzentrationsstörungen und chronische Überforderung sind nach Schirrmacher warnende Anzeichen eines existenziellen Wandels im Umgang mit uns selbst, an dessen Ende der totale Verlust des freien Willens stehen könnte!
Der amerikanische Medienkritiker Noam Chomsky bezeichnet das Fernsehen als "intellektuelle Selbstverteidigung" - sind wir noch in der Lage, uns einer totalitären technokratischen Manipulation zu entziehen und uns gegen die "politisch korrekte" Meinungsmache zur Wehr zu setzen?
Bewegen wir uns nolens volens immer mehr auf einen totalen Überwachungsstaat im Sinne von George Orwells Dystopie "1984" zu, dessen willige Opfer allerdings wir selber sind? Lassen wir uns von Google und Co. freiwillig instrumentalisieren, indem wir uns in den Chatrooms und Facebooks des World Wide Web unter virtuellen Avatar-Identitäten hin und her hoppen und unsere persönlichen Daten freiwillig preisgeben?
Wie können wir uns diesem unreflektierten Konsumerismus entziehen bzw. einen adäquaten Umgang mit den Massenmedien erlernen?
Wir wollen in diesem Medienworkshop u. a. auch Tageszeitungen und Internet-Nachrichten analysieren und Internet-Foren auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen, um uns so eine kritische Selbstdistanz zu "unseren" Medien zu verschaffen - möglicherweise wird uns diese kritische Selbstdistanz dazu befähigen, unsere lieb gewordenen Konsumgewohnheiten völlig neu zu sortieren!

Literatur:
Frank Schirrmacher: Payback - Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen, Blessing-Verlag, Random-House, München 2009
Marshall McLuhan: Die magischen Kanäle - Understanding Media, Fundus-Verlag, Basel 1995