Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Die Erzählungen Franz Kafkas

Dozent

Dr. Wolfgang Kehn

Zeit

Seminargruppe I: Mi 10.15 –11.45 Uhr;
Seminargruppe II: Do 12.15 - 13:45 Uhr; bei Bedarf

Beginn

Seminargruppe I: 28. Oktober 2015
Seminargruppe II: 05. November 2015; bei Bedarf

Termine und Ort

Seminargruppe I: 28.10.; 04.11.; 11.11.; 18.11.; 25.11.
Olshausenstr. 75, Gebäude S2, Raum 26
02.12.
Olshausenstr. 75, Gebäude S2, Raum 166
16.12.; 13.01.; 20.01.; 27.01.; 03.02.; 10.02.
Olshausenstr. 75, Gebäude S2, Raum 23

Seminargruppe II: bei Bedarf
Leibnizstr. 1, Raum 104a

Teilnehmerzahl

min. 15; max. 30

Veranstaltungsentgelt

40,- EUR

Zusatzentgelt

Für Kopien, Materialien oder Medien können in Absprache weitere Kosten entstehen

Inhalt:

Erfreulicherweise ist es gelungen das Literaturseminar wieder zur gewohnten Zeit – Mittwoch 10-12 Uhr – anzubieten. Beachten Sie aber bitte, dass im Verlauf des Semesters der Raum zweimal wechselt. Bei Bedarf wird ein zweiter Termin am Donnerstag angeboten: s.u.!
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Im Seminar soll im Wintersemester eine Annäherung an Franz Kafka versucht werden - ein besonders schwieriges und besonders faszinierendes Thema! Deshalb werden wir uns zunächst nur mit ausgewählten Erzählungen beschäftigen und mit "Das Urteil" sowie "Die Verwandlung" beginnen. Hinzu kommt auf jeden Fall auch der "Brief an den Vater",- ein halb literarischer und halb biographischer Text. Das weitere Programm übersehe ich noch nicht. - Als Textausgabe empfehle ich die Sammelausgabe der Erzählungen in den Reclam-Taschenbüchern (RUB 9426).
Wenn man sich Kafka über die Forschungsliteratur zu nähern versucht, geht man unter in einer schier unübersehbaren Fülle. Es gibt wohl kaum einen anderen Autor des 20.Jahrhunderts, über den eine solche Vielzahl von Interpretationsversuchen aus unterschiedlichster Sicht produziert worden ist: Alle Richtungen der Literaturwissenschaften, aber auch der Philosophie, der Theologie, der Judaistik sind vertreten.
Gemeinsam ist fast allen Bemühungen um Kafka ein großer, oft fast ehrfürchtiger Ernst, mit dem man sich diesem Werk nähert. Vergleichbar sind hier am ehesten die beiden großen Einsamen der Goethezeit: Hölderlin und Kleist. Die Gemeinsamkeit beruht unter anderem auf der besonderen Verschmelzung von Biographie und Dichtung. Meistens führt ja eine Herleitung des Textsinns aus der Biographie zu einem Verlust an poetischem Sinnpotential, weil diese Reduktion aufs Persönliche den Verallgemeinerungsanspruch ignoriert, der in der Entscheidung liegt, eigene individuelle Lebenserfahrung in das Medium der Dichtung (statt in einen einfachen autobiographischen Bericht) zu transformieren. Bei Kafka (wie auch bei Hölderlin und Kleist) verhält es sich jedoch so, dass das Werk nicht ohne die Biographie und - vor allem! - die Biographie nicht ohne das Werk verstanden werden kann; denn Dichtung war für Kafka nicht nur Antwort auf das Leben, sondern Lebensform selbst, ja Überlebensform, die der kunstfeindlichen "realen", alltäglichen Existenz in ständigem Kampf abgerungen werden musste: Die Kunst - das Schreiben von Dichtung - war ihm lebensnotwendig, um die Übermacht der empirischen Realität (Familie, Beruf, gesellschaftliche Ordnungssysteme, den Körper und die menschliche Triebnatur) aushalten zu können.
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Wie immer wird auch diese Veranstaltung nicht als Vorlesung, sondern in Seminarform stattfinden. Da aufgrund dieser Arbeitsweise die Gruppengröße begrenzt ist, werden wir uns bei Bedarf um einen zweiten Termin, und zwar für Donnerstag bemühen. Dieser Termin wird voraussichtlich in der Mittagszeit liegen.