Geschäftsstelle Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote

Ein Gedicht mit unbekanntem Verfasser / Verfasserin

Ein Gedicht im Kontext des Seminars im Wintersemester „Genie und Wahnsinn“ – eine legendäre aber irreführende Formel!:

 

Über Nacht hat ein Sturm alle Bäume entlaubt

 

Seht sie an, die knöchernen Besen

 

Ein Narr, der bei diesem Anblick glaubt

 

Es wäre je Sommer gewesen

 

 

Und ein größerer Narr, der da träumt und sinnt

 

Es könnte je wieder Sommer werden

 

Doch dieser Gläubigen Wahrheit, mein Kind

 

Ist die einzige Wahrheit auf Erden

 

 

Fritz Bremer schreibt dazu:

Verfasser, Verfasserin unbekannt. Geschrieben wurde das Gedicht am Anfang der 70 er Jahre in der psychiatrischen Klinik in Münster - von einem Patienten oder einer Patientin. Ein Psychologiestudent aus Kiel, der in der Klinik in Münster ein Praktikum macht, fand den Text dort - handschriftlich, auf einem Zettel. Er schrieb die Zeilen ab. Und ich fand den Text während eines Festes in einer Wohngemeinschaft auf dem Schreibtisch eben dieses Studenten der Psychologie, fragte ihn nach der Herkunft, nach Autor, Fundort und ob ich das Gedicht abschreiben dürfe.

Die Abschrift trug ich jahrelang in der Tasche mit mir herum. 19 84 gründete ich die Zeitschrift "Brückenschlag - für Sozialpsychiatrie, Literatur und Kunst". Das damals dann vor 10 Jahren gefundene Gedicht wurde der erste poetische Text in Brückenschlag Band 1. Die Zeitschrift erschien bis 2014. Viele weitere Gedichte psychisch erkrankter Menschen folgten ...